Veränderungen der Artzusammensetzung der Wälder um Graz in den letzten 100 Jahren.
Abstract
Bis in die Zeit nach dem 1. Weltkrieg wurden die Wälder Mitteleuropas stark degradiert, weil sie als die wichtigste Energiequelle des Landes bis zu 80 % des Energiebedarfs des Landes decken mussten. Erst mit der Entwicklung der Eisenbahn und der ersten modernen Waldgesetze verlor der Wald diese Funktion. Um diesen Übergang zu dokumentieren nutzten wir 101 Vegetationsaufnahmen der Wälder um Graz aus den Jahren 1925-1927 und wiederholten diese in den Jahren 2025 und 2026. Der Vergleich ergab massive Verschiebungen in der Artzusammensetzung, die sich insbesondere in der Änderung der mittleren Ökologischen Zeigerwerte zeigt. Gesunken ist der Lichtzeigerwert und die mittlere Dichte der Krautschicht, sowie die Werte für Evenness und alle Biodiversitätsindizes. Gestiegen sind die Nährstoff-Zeigerwerte sowie die Werte für Hemerobie und Urbanophilie. Dichte und Anzahl an Neophyten haben ebenfalls zugenommen. Als Zeichen des Klimawandels haben montane Arten stark abgenommen, immergrüne Arten der Krautschicht dagegen stark zugenommen (Laurophyllisierung). Sämlinge von Bäumen in der Krautschicht haben ebenfalls stark zugenommen als Zeichen der Bodenentwicklung und Waldregeneration. Prozentual haben Waldarten und Ruderalarten zugenommen, wogegen Grasland- und Saumarten abgenommen haben. Insgesamt wurden in unseren Datensatz 233 Arten nicht wiedergefunden, dagegen tauchten 111 neu in den Wäldern auf.
Es kann festgestellt werden, dass der Wald als Ökosystem nach 100 Jahren einige Zeichen der Regeneration zeigt (Humusentwicklung, dichterer Kronschluss, starke Naturverjüngung, höherer Anteil waldtypischer Arten), aber auch viele anthropogen bedingte Veränderungen (Eutrophierung, Artenrückgang, Ausbreitung von Neophyten, Rückgang montaner Arten, Laurophyllisierung)
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