Einblicke in den genetischen Status der Wechselkröte (Bufotes viridis) in Österreich
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Abstract
Die Wechselkröte (Bufotes viridis) eine heimische Amphibienart, die ursprünglich Pionierstandorte in trocken-warmen steppenartigen Lebensräumen besiedelte. Demzufolge auf gestörte Lebensräume wie Überschwemmungszonen und temporäre Flachwasserbereiche in pannonischen Gebieten spezialisiert, nutzt sie heute vorwiegend anthropogen geschaffene Lebensräume wie Kiesgruben, landwirtschaftliche Flächen und urbane Gebiete. In Österreich ist die Art vor allem in den östlichen Flachlandgebieten anzutreffen, darunter auch in den Salzlacken des Neusiedler See-Gebiets. Aufgrund von Lebensraumverlust, Umweltgiften und Landnutzungsänderungen ist die Wechselkröte in Österreich sowie auch in anderen europäischen Ländern gefährdet.
An der BOKU Wien wurde in einem Forschungsprojekt des Biodiversitätsfonds die erste Basis für ein zukünftig fortsetzbares genetisches Monitoring der Wechselkröte in Österreich geschaffen. Mit der Erstellung von 90 Primerpaaren und deren Anwendung in der Hochdurchsatzgenotypisierung mittels SSR-GBAS (Genotyping by Amplicon Sequencing) war es möglich, erste genetische Einblicke in Screening-Populationen verschiedener Lebensräume von urban bis naturnah in Ostösterreich zu erlangen. Mittels non-invasiven Buccalswabs wurden an elf Standorten in vier unterschiedlichen Großlebensräumen über 200 Wechselkröten beprobt und die genetischen Parameter ausgewertet um einen Einblick in genetische Diversität und Metapopulationsdynamiken zu erhalten. Weiters wurden historische Museumsproben aus ebenjenen Gebieten herangezogen und ebenfalls in die Studie inkludiert, um zeitliche Entwicklungen in den Populationen zu untersuchen.
Die Ergebnisse zeigten einen deutlichen Rückgang der genetischen Diversität entlang eines Urbanisierungsgradienten von naturnahen über suburbane bis zu innerstädtischen rezenten Populationen. Naturnahe Populationen einer durchlässigen Landschaft weisen einen ausgeprägten genetischen Austausch mit benachbarten Vorkommen auf, was sich in hoher genetischer Ähnlichkeit und nachgewiesenem Genfluss widerspiegelt. Demgegenüber sind innerstädtische Populationen stark isoliert und zeigen reduzierte genetische Vielfalt. In einem urbanen Gebiet deuten die genetischen Muster zusätzlich auf eine anthropogene Einschleppung von Individuen oder Laich hin. Die beobachteten Verluste genetischer Vielfalt in städtischen Beständen erhöhen das Risiko genetischer Drift und damit den weiteren Verlust adaptiver Variation, was die Anpassungsfähigkeit gegenüber Umweltveränderungen wie Klimawandel oder Krankheiten einschränkt. Die Ergebnisse der Studie bieten eine Basis für zukünftige genetische Forschungsarbeiten an der Wechselkröte und können zudem in naturschutzrelevante Maßnahmen für die Art einfließen.
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