Adam Seyr

FS 27.107

Gene als Schlüssel zum Schutz der Biodiversität

Session status: Accepted
Content last updated: 2026-05-22 13:26:00
Online available since: 2026-05-22 09:03:18

Details

  • Full Title

    Verborgene Biodiversität verstehen: Die Rolle intraspezifischer genetischer Daten in Biodiversitätsforschung und Naturschutz
  • Scheduled

    TBA
    TBA
  • Chair

    Kirschner, Philipp
  • Co-chair(s)

    Tremetsberger, Karin
  • Thematic Focus

    alpine Lebensräume, Forschung, Monitoring, Neue Methoden
  • Keywords

    innerartliche genetische Vielfalt, genetisches Populationsmonitoring, Naturschutzgenetik

Abstract/Description

Biologische Vielfalt lässt sich auf verschiedenen Ebenen beobachten: von der Ebene der Ökosysteme über die der Arten bis hin zur fundamentalsten, aber weitgehend unsichtbaren Ebene der Gene. Die genetische Vielfalt bildet die Grundlage aller übrigen Ebenen; sie ist das Rohmaterial, auf dem die Anpassungs- und Evolutionsfähigkeit von Organismen beruht. Während Veränderungen auf Ökosystem- und Artniveau häufig makroskopisch erfasst werden können, erschließt sich die genetische Vielfalt erst durch molekulargenetische Methoden.

Lange Zeit waren diese Methoden wenigen spezialisierten Labors vorbehalten und so kostspielig, dass sie vorwiegend für ausgewählte, stark gefährdete oder prioritäre Arten eingesetzt wurden. Mit der Einführung neuer, kostengünstiger Hochdurchsatz-Sequenziertechniken und effizienter Analysetools ist es heute möglich, große Teile der Genome vieler Individuen nahezu jeder Art zu sequenzieren und auszuwerten. Diese Entwicklung hat der Naturschutzgenetik zu einer Renaissance verholfen – einem Feld, das die genetische Vielfalt innerhalb und zwischen Arten und Populationen sowie deren räumlich-zeitliche Verteilung erfasst. Ziel ist es, eine belastbare wissenschaftliche Grundlage für den Schutz von Arten, genetischen Linien und Populationen zu schaffen.

Die IUCN hat in Zusammenarbeit mit internationalen Expertinnen und Experten Indikatoren zur Erhebung und Bewertung genetischer Vielfalt entwickelt. Diese Standards sollen der genetischen Ebene im modernen Naturschutz mehr Gewicht verleihen und zugleich ein verständliches, praxisnahes Werkzeug für die Anwendung vor Ort bieten. Denn zukunftsfähiger Naturschutz ist ohne die Berücksichtigung genetischer Faktoren nicht möglich. Nur so lassen sich zentrale Fragen fundiert beantworten: Welche Populationen von Art X weisen die größte genetische Vielfalt auf – und sind es auch jene, die am besten gemanagt werden? Wie viel genetischen Austausch gibt es zwischen den isolierten Populationen von Art Z, und wird diese Konnektivität durch Lebensraumverlust und Klimawandel in der Zukunft verloren gehen?

Diese Session bietet eine breite Plattform, um sich mit Expertinnen und Experten aus den DACH-Ländern auszutauschen, Fallstudien und Initiativen vorzustellen und methodische Entwicklungen zu diskutieren. Ziel ist es, Wissen zu bündeln, Standards zu verbreiten und den genetischen Blickwinkel fest im Naturschutz zu verankern.

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