Die unbekannte Vielfalt vor unserer Haustür: Integrative Taxonomie der österreichischen Biodiversität

Abstract ID: 3.122
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Koblmüller, S. (1)
Schäffer, S. (1); Strohmeier, T. (1); and Sefc, K. M. (1)
(1) University of Graz, Institute of Biology, Universitätsplatz 2, 8010 Graz, Austria
How to cite: Koblmüller, S.; Schäffer, S.; Strohmeier, T.; and Sefc, K. M.: Die unbekannte Vielfalt vor unserer Haustür: Integrative Taxonomie der österreichischen Biodiversität, #TDB27-3.122
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Keywords: kryptische Diversität, DNA-Barcoding, Artbestimmung
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Wie viele Tierarten leben eigentlich in Österreich, und welche Bedeutung haben sie für das Funktionieren unserer Ökosysteme? Obwohl die Natur Österreichs seit Jahrhunderten erforscht wird, ist ihre biologische Vielfalt noch längst nicht vollständig erfasst. Vor allem bei kleinen, schwer bestimmbaren oder wenig beachteten Organismen ist davon auszugehen, dass viele Arten noch unentdeckt oder taxonomisch unzureichend beschrieben sind. Doch genau dieses Wissen ist entscheidend. Nur wenn wir wissen, welche Arten vorkommen, können wir verstehen, wie Nahrungsnetze und Stoffkreisläufe funktionieren, welche Rollen einzelne Arten im Ökosystem übernehmen und wie sich Veränderungen der Biodiversität auswirken. Hier setzt die Initiative Austrian Barcode of Life (ABOL) an. Ihr Ziel ist es, die österreichische Biodiversität systematisch zu erfassen und Arten mithilfe standardisierter DNA-Barcodes eindeutig zu charakterisieren. DNA-Barcoding ergänzt dabei die klassische taxonomische Forschung, hat jedoch insbesondere bei morphologisch oder genetisch komplexen Artengruppen seine Grenzen. Moderne Biodiversitätsforschung muss daher unterschiedliche Informationsquellen, von Morphologie und Ökologie über DNA-Barcodes bis hin zu genomischen und populationsgenetischen Daten, miteinander verknüpfen. Anhand verschiedener ökologisch bedeutender Organismengruppen aus Österreich zeigen wir, warum dieser Ansatz für die Erforschung unserer heimischen Biodiversität wichtig ist. Denn Biodiversitätsforschung sollte nicht bei der Frage „Was ist das?“ stehen bleiben. Ebenso entscheidend ist es zu verstehen, wo Arten vorkommen, welche Lebensräume und Bedingungen sie benötigen und wie sie evolutionär miteinander verbunden sind. Eine möglichst vollständige und integrative Erfassung der Artenvielfalt schafft damit die Verbindung zwischen klassischer Artinventarisierung und einem umfassenderen Verständnis unserer Ökosysteme, und liefert eine wichtige Grundlage, um Veränderungen in der Natur zu erkennen und langfristig die Stabilität und Funktionsfähigkeit unserer Ökosysteme zu beurteilen.

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