Das österreichische Biodiversitätsmonitoring ÖBM-K / BINATS: Status und Trends 2007/08 – 2023/24
(2) BOKU University, Department für Ökosystemmanagement, Klima und Biodiversität, Institut für Zoologie, Gregor-Mendel-Straße 33, 1180 Wien
Abstract
ÖBM-K/BINATS, das Biodiversitätsmonitoring in der offenen Kulturlandschaft, wurde 2006 mit BINATS etabliert und ist durch die Erweiterung mit ÖBM-K seit 2017/18 repräsentativ für ganz Österreich. Es liefert Datengrundlagen für die Erfassung, Bewertung und Berichterstattung der biologischen Vielfalt auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene. Auf 200 Testflächen werden Vielfalt, Häufigkeit und Zusammensetzung von Arten ausgewählter Organismengruppen (Gefäßpflanzen, Tagfalter, Heuschrecken) sowie von Biotoptypen erhoben, um deren Status, Veränderungen und Trends sowie die Qualität von Äckern, Grünland, semi-natürlichen Biotopen und alpinen Weiden zu analysieren. Im Kartierungsdurchgang 2023/24 wurden bei zwei Erhebungen insgesamt 1.518 Gefäßpflanzenarten erfasst, was fast 45% aller 3.400 in Österreich vorkommenden Arten entspricht. Bei den Tagfaltern wurden in einer Sommererhebung mit 123 Arten fast zwei Dritteln der 215 in Österreich bekannten Arten registriert, bei den Heuschrecken waren es mit 83 Arten knapp 60% der 139 Arten. Darüber hinaus wurden erstmalig Metabarcoding-Analysen zur Erweiterung des Datensets durchgeführt. In 200 standardisierten Proben wurden exakt 1.900 Arthropodenarten aus 24 Ordnungen und 217 Familien identifiziert. Die hohe Vielfalt weist eine starke räumliche Differenzierung der Artengemeinschaften auf.
Die Vergleichsanalysen mit den vorherigen Kartierungsdurchgängen (2007/08 und 2017/18) zeigen Veränderungen in der Zahl und Zusammensetzung der Gefäßpflanzenarten. Während Neophyten zunahmen, blieb die Zahl der Rote-Liste-Arten im Beobachtungszeitraum stabil. Bei Tagfaltern und Heuschrecken wurden hingegen keine signifikanten Veränderungen der Artenzahl und Abundanz festgestellt. Gleichzeitig zeichnet sich vor allem in den höheren Lagen eine zunehmende Thermophilisierung der Artengemeinschaften ab, die auf Veränderungen der Temperaturverhältnisse hindeutet. In den Ackerbaugebieten dominieren überwiegend Ubiquisten. Zudem wurden dort Zunahmen xerothermophiler Arten beobachtet. Vor allem bei den Tagfaltern scheinen mobile Arten einen Vorteil zu haben, da sie potenziell besser auf Standortveränderungen wie Temperaturerhöhung, Mahd oder Bodenbearbeitung reagieren.
Aufgrund der standardisierten Erhebungsmethodik und der mehrfach erfassten Zeitreihen stellt ÖBM-K/BINATS den ersten repräsentativen Zeitvergleich der biologischen Vielfalt in der österreichischen Kulturlandschaft dar und schafft damit eine wichtige Grundlage für die langfristige Beobachtung und Bewertung von Biodiversitätstrends. Ergänzend zur örtlich streng vorgegebenen Erfassung der vier etablierten Indikatoren bietet der mobile, räumlich flexible Ansatz des Metabarcodings die Möglichkeit, eine differenzierte Bewertung von Einzelflächen innerhalb der jeweiligen Testfläche zu unterstützen.
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