Biolandbau und Brachen puffern den Insektenrückgang in österreichischen Agrarlandschaften

Abstract ID: 3.30
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Semenchuk, P. (1)
Schindler, S. (1); and Moser, D. (1)
(1) Umweltbundesamt GmbH, Drorygasse 1/1, 1030 Wien
How to cite: Semenchuk, P.; Schindler, S.; and Moser, D.: Biolandbau und Brachen puffern den Insektenrückgang in österreichischen Agrarlandschaften, #TDB27-3.30
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Keywords: Agrarumweltmaßnahmen, Ackerbrachen, Landnutzungsheterogenität, Insektenrückgang
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Agrarumweltmaßnahmen sind das zentrale Instrument zum Erhalt der Biodiversität in europäischen Kulturlandschaften. Hier evaluieren wir die Wirkung des österreichischen Agrarumweltprogramms ÖPUL auf Artenzahlen von Tagfaltern, Heuschrecken und heimischen Gefäßpflanzen. Datengrundlage sind zwei Erhebungsrunden (2017/18, 2023/24) des Österreichischen Biodiversitätsmonitorings der Kulturlandschaft (ÖBM-K/BINATS), verknüpft mit INVEKOS-Schlagdaten.

Den deutlichsten Effekt zeigten Ackerflächen mit neu entstandenen Brachen-Präsenzen, unabhängig von der Flächengröße der Brache: Tagfalter und Heuschrecken entwickelten sich hier rund fünffach, Pflanzen rund 80 % günstiger als auf Kontrollflächen ohne Brachen. Durchgehend biologisch bewirtschaftete Äcker hielten die Insektenartenzahl konstant, während sie auf konventionellen Kontrollflächen um über ein Drittel zurückging. Dieser Puffereffekt wäre ohne Kontrollgruppe unentdeckt geblieben, die reine Vorher-Nachher-Betrachtung der Maßnahmenflächen hätte „keine Veränderung“ ergeben. Der größte Einzeleffekt wurde jedoch über keine Fördermaßnahme erzielt, sondern über die Nutzungsheterogenität: Flächen mit diverser Landnutzung trugen nahezu doppelt so viele Pflanzenarten wie homogen genutzte. Dieses Muster bestätigte sich unabhängig auf Landschaftsebene.

Von 78 strukturell möglichen Kombinationen aus Landnutzungstyp, Maßnahmenteilnahme, Förderverlauf und Landnutzungsänderung erreichten nur fünf ein vorab definiertes Machbarkeitsgate. Für Zielgerichtete Naturschutzmaßnahmen, Almbewirtschaftung und die meisten Grünlandmaßnahmen können wir demnach keine Aussagen treffen, da die Stichprobe des Monitoringprogramms ÖBM-K/BINATS diese Maßnahmengruppen unzureichend erfasst. Eine schlaggenaue Erfassung innerhalb der Erhebungsflächen würde die Zahl auswertbarer Maßnahmen nach unserer Abschätzung erheblich erhöhen und eine breitere Evaluierung der ÖPUL-Maßnahmen ermöglichen.

Für die ÖPUL-Programmgestaltung folgt daraus, dass kleinflächige Strukturelemente und Brachen, sowie der Erhalt kleinräumig gegliederter Landschaften mit hoher Nutzungsvielfalt pro Flächeneinheit einen hohen Biodiversitätsgewinn versprechen und mitgedacht werden sollten. Zugleich zeigt sich, dass Maßnahmen im Zusammenhang mit Biolandbau Insekten-Verluste im Ackerland verhindern können. Eine Evaluierung von Maßnahmen-Wirkungen anderer Maßnahmengruppen setzt voraus, dass die relevanten Monitoringprogramme, hier ÖBM-K/BINATS, methodisch auf eine Wirkungs-Evaluierung adaptiert werden.

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