Autochthones Wildblumensaatgut in Tirol – Natürlich gewachsene Wiesen als Ressource in der Landwirtschaft und für Wiederbegrünungen

Abstract ID: 3.62
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Kiessling, A. (1)
Pontasch, S. (1); Hengsberger, E. (1); and Kostenzer, J. (1)
(1) Tiroler Umweltanwaltschaft, Meranerstraße 5, 6020 Innsbruck
How to cite: Kiessling, A.; Pontasch, S.; Hengsberger, E.; and Kostenzer, J.: Autochthones Wildblumensaatgut in Tirol - Natürlich gewachsene Wiesen als Ressource in der Landwirtschaft und für Wiederbegrünungen, #TDB27-3.62
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Keywords: Wildblumensaatgut, genetische Diversität, Wiederbegrünung, regional, standortangepasst
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Die Tiroler Umweltanwaltschaft setzt sich im Projekt „Tiroler Wildblumensaatgut“ für die Förderung von Biodiversität durch den Einsatz von regionalem und lokalem Saatgut ein. Um bei der Ansaat von Wiesen, Säumen, Sickermulden oder auch Renaturierungen die genetische Vielfalt mit ihren lokaltypischen Anpassungen zu bewahren und zu fördern, ist es unerlässlich, autochthone Pflanzenbestände zu verwenden. Viele herkömmliche Saatgutmischungen enthalten nicht-heimische Pflanzen oder Zuchtformen, die nur wenigen heimischen Tieren – insbesondere Insekten – Nahrung bieten, zu Florenverfälschung führen und zur Vereinheitlichung von Wiesenlebensräumen beitragen. Der daraus resultierende Einfluss auf die genetische Vielfalt von Pflanzenbeständen kann derzeit noch kaum abgeschätzt werden. Bekannt ist allerdings, dass auch bereits geschützte Wiesen-Lebensräume wie z.B. Kalk-Magerrasen in Österreich stark gefährdet sind und Landnutzungsänderungen enormen Druck auf deren Fortbestand ausüben. Um dem weiteren Verlust entgegenzuwirken ist bei der Wahl des Saatgutes darauf zu achten, dass es sich um Samen gebietstypischer Wildpflanzen aus möglichst gebietsnahem Ursprung handelt, welches bestmöglich an einen bestimmten Standort angepasst ist. Dies ist vor dem Hintergrund der EU-Renaturierungsverordnung von Bedeutung, da hier zahlreiche Wiesenlebensraumtypen, samt ihrer Artenvielfalt in einen günstigen Erhaltungszustand gebracht werden sollen. Im Zuge jüngster Arbeit ist in ein Kataster aus natürlich gewachsenen Wiesen entstanden, die als Spenderflächen herangezogen werden können. Das von solchen Flächen geerntete Wildblumensaatgut ist dann bestens geeignet für diverse Wiederbegrünungs- oder Renaturierungsvorhaben. Je nach Zieldefinition und Anwendungsgebiet eignen sich unterschiedliche Erntemethoden – von Handsammlungen für kleine Mengen mit hohen Qualitätsansprüchen bis hin zur Beerntung mit Bürstenwalzen, um größere Quantität zu erzielen. Die Vorteile aus der Produktion von regionalem Samenmaterial ergeben sich durch die Verfügbarkeit von Saatgut mit regionaler oder sogar lokaler Herkunft, Stärkung der kleinstrukturierten heimischen Landwirtschaft, Förderung der Vernetzung von Landwirtschaft, Umweltpflege und Naturschutz, sowie dem Aufbau einer Wertschöpfungskette hinsichtlich regionaler Ressourcen, Dienstleistungen und Produkte. Der Kataster und bisherige Praxisanwendungen werden vorgestellt und vor dem Hintergrund des fortschreitenden Biodiversitätsverlusts diskutiert.

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