Das Spannungsfeld zwischen lokalem Wandel und grossräumiger Persistenz des Artenspektrums in der Gebirgslandschaft
Abstract
Mit 3 Grad Erwärmung seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, davon allein 2 Grad in den letzten rund 50 Jahren, ist der Klimawandel im Alpenraum ausgeprägter als im globalen Durchschnitt. Die Erwärmung betrifft alle Höhenstufen. Wie reagiert die Vegetation darauf? Das Vorrücken des Bergwaldes ist ein Faktum, auch wenn die obere Verbreitungsgrenze der Bäume jener der thermischen Baumgrenze derzeit nicht folgen kann. Selbst die derzeit bis auf knapp 2500 m vorkommenden Zirben in Osttirol operieren zurzeit 300 m unterhalb der biologischen Baumgrenze und wachsen entsprechend rasch. Sobald der Bergwald ein neues Gleichgewicht mit dem Klima fand, wird ein grosser Teil der unteren alpinen Stufe darin aufgehen. Oberhalb des Bergwaldes, im verbleibenden alpinen Raum, gelten andere ‘Gesetze’, da dort die Topographie eine überragende Rolle spielt. Am Beispiel des ökologischen Langzeitmonitorings (MonAlp) im Nationalpark Hohe Tauern wird der Vortrag aufzeigen wie funktionelle Elemente der Vegetation auf unterschiedliche Schneebedeckungsdauer langfristig reagieren. Kleinräumige Mosaike der Topographie schaffen Lebensraummosaike. Diese unterliegen ähnlich wie Berggipfel einzeln starkem Wandel und können als Modell für grossräumige Veränderungen dienen. Umgekehrt ‘versichert’ diese Habitatdiversität Grossregionen vor dem Verschwinden von Arten, auch wenn sich deren Verbreitungsmuster verschieben. Dieses Spannungsfeld zwischen lokalem Wandel und grossräumiger Persistenz gilt es bei Prognosen zum Biodiversitätswandel zu unterscheiden. Reading: Körner und Hiltbrunner (2026) Alpine Botany, https://doi.org/10.1007/s00035-026-00360-8
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