Von der Isolation zur Konnektivität: Fledermäuse in fragmentierten Wäldern
(2) KFFÖ, Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung in Österreich
(3) BOKU University, Institut für Botanik, Department für Ökosystemmanagement, Klima und Biodiversität
Abstract
Fledermäuse weisen durch die unterschiedliche Nutzung von Lebensräumen im Jahresverlauf eine sehr komplexe Lebensweise auf. Für Arten wie die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii), die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) oder die Wasserfledermaus (Myotis daubentonii) spielen strukturreiche Laubwälder mit alten Baumbeständen eine zentrale Rolle als Sommerlebensräume. In intensiv genutzten Agrarlandschaften sind solche Wälder jedoch häufig kleinflächig, isoliert und durch Siedlungen, Verkehrswege sowie offene Ackerflächen voneinander getrennt. Zusätzlich befinden sich Winterquartiere oft in unterirdischen Strukturen wie Kellern, Stollen oder Höhlen und sind meist räumlich von den Sommerlebensräumen getrennt. Sowohl die Fragmentierung des Sommerlebensraums, als auch die fehlende Konnektivität zu den Winterquartieren können den genetischen Austausch zwischen Teilpopulationen einschränken und langfristig die genetische Vielfalt sowie die Anpassungsfähigkeit von Fledermäusen beeinträchtigen.
Im Rahmen des durch den Waldfonds Österreich geförderten Projektes „Von der Isolation zur Konnektivität: Fledermäuse in fragmentierten Wäldern“ wird untersucht, welche Bedeutung die landschaftliche Ausstattung für die Konnektivität innerhalb der Sommerlebensräume sowie zwischen Sommerlebensräumen und Winterquartieren hat. Die funktionale Konnektivität innerhalb der Sommerlebensräume wird mithilfe innovativer Telemetriedaten und moderner geoinformatischer Analyseverfahren modelliert. Ergänzend werden genetische Daten (ddRAD-seq) erhoben und mit räumlichen Modellierungsansätzen verknüpft, um genetische Beziehungen zwischen Vorkommen in Sommerlebensräumen und Winterquartieren zu erfassen und mit der räumlich modellierten Konnektivität abzugleichen.
Das Projekt zeigt, wie genetische und räumliche Daten gemeinsam genutzt werden können, um wichtige Konnektivitätsstrukturen zu identifizieren, die den genetischen Austausch zwischen Populationen ermöglichen. Die Ergebnisse schaffen wissenschaftlich fundierte Grundlagen für die Erhaltung und die gezielte Wiederherstellung der Konnektivität in fragmentierten Waldlebensräumen. Zugleich kann die entwickelte Methodenkombination als übertragbarer Ansatz für ähnliche Fragestellungen bei anderen mobilen Arten dienen.
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