Brachen, Biolandbau und Nutzungsvielfalt: Wirkung von Agrarumweltmaßnahmen auf Artenzahlen in der österreichischen Kulturlandschaft
Abstract
Agrarumweltmaßnahmen sind das zentrale Instrument zum Erhalt der Biodiversität in europäischen Kulturlandschaften. Hier evaluieren wir die Wirkung des österreichischen Agrarumweltprogramms ÖPUL auf Artenzahlen von Tagfaltern, Heuschrecken und heimischen Gefäßpflanzen. Datengrundlage sind zwei Erhebungsrunden (2017/18, 2023/24) des Österreichischen Biodiversitätsmonitorings der Kulturlandschaft (ÖBM-K/BINATS), verknüpft mit INVEKOS-Schlagdaten.
Über alle Flächen hinweg blieben die Artenzahlen stabil bis leicht steigend, ein flächendeckender Insektenrückgang zeigte sich nicht. Den stärksten Maßnahmeneffekt zeigten Ackerflächen mit neu entstandenen Brachen-Präsenzen, unabhängig von der Flächengröße der Brache: Heuschrecken und Tagfalter entwickelten sich vier- bis fünffach, Pflanzen rund 80 % günstiger als auf Kontrollflächen. Negativkontrollen ohne Förderbezug bestätigten, dass begleitende Fruchtfolgewechsel diesen Effekt nicht erklären. Auf durchgehend biologisch bewirtschafteten Äckern erhöhte sich die Tagfaltervielfalt um rund 70 % gegenüber Kontrollflächen, bei Neueinstieg in biologische Bewirtschaftung profitierten zusätzlich die Pflanzen (+69 %). Ackerflächen mit durchgehender Begrünungsförderung wiesen eine um rund 165 % günstigere Heuschreckenentwicklung auf als konventionelle Vergleichsflächen (+165 %). Der stärkste Einzelprädiktor war jedoch keine Fördermaßnahme, sondern die Nutzungsheterogenität: Flächen mit diverser Landnutzung trugen nahezu doppelt so viele Pflanzenarten wie homogen genutzte. Dieses Muster bestätigte sich unabhängig auf Landschaftsebene.
Diese Befunde beruhen auf einer schmalen Datenbasis: Von 78 strukturell möglichen Kombinationen aus Landnutzungstyp, Maßnahmenteilnahme, Förderverlauf und Landnutzungsänderung erreichten nur fünf ein vorab definiertes Machbarkeitsgate. Zielgerichtete Naturschutzmaßnahmen, Almbewirtschaftung und die meisten Grünlandmaßnahmen waren nicht evaluierbar, da eine repräsentativ-zufällig verortete Stichprobe diese Maßnahmengruppen unzureichend erfasst. Eine teilflächenscharfe bzw. schlaggenaue Erfassung innerhalb der Erhebungsflächen würde die Zahl auswertbarer Maßnahmen nach unserer Abschätzung erheblich erhöhen.
Für die ÖPUL-Programmgestaltung folgt daraus, dass kleinflächige Strukturelemente und Brachen, sowie der Erhalt kleinräumig gegliederter Landschaften mit hoher Nutzungsvielfalt pro Flächeneinheit einen hohen Biodiversitätsgewinn versprechen und mitgedacht werden sollten. Zugleich zeigt sich, dass Maßnahmen im Zusammenhang mit Biolandbau die Tagfaltervielfalt erhöht hat. Eine Evaluierung von Maßnahmen-Wirkungen anderer Maßnahmengruppen setzt voraus, dass die relevanten Monitoringprogramme, hier ÖBM-K/BINATS, methodisch auf eine Wirkungs-Evaluierung ausgerichtet werden.
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