FS 27.103
Almwirtschaft und Biodiversität
Details
Full Title
Nutzungseffekte auf alpine Ökosysteme: Referenzalmen im Großen Walsertal als Modell für nachhaltigen BiodiversitätsschutzScheduled
TBATBAChair
Egger, GregoryCo-chair(s)
No co-chair(s) nominatedThematic Focus
alpine Lebensräume, Landschaft, LandwirtschaftKeywords
Almwirtschaft, Nutzungsextensivierung, Alpine Kulturlandschaft
Abstract/Description
Am Beispiel von drei Referenzalmen im Biosphärenpark Großes Walsertal (Vorarlberg) wird untersucht, wie sich veränderte almwirtschaftliche Nutzungsintensitäten auf die Biodiversität und das Landschaftsbild sensibler Gebirgsräume auswirken. Der Vergleich der intensiv genutzten Alpe Steris, der extensiveren Jungviehalmen Gaden und Matona sowie der seit den 1960er Jahren unbewirtschafteten Alpe Wang liefert Antworten auf folgende Kernfragen:
- Menschliche Nutzung prägt Biodiversität: Die Ergebnisse zeigen, dass der Mensch hier als Landschaftsgestalter eine zentrale Verantwortung trägt. Eine Extensivierung oder vollständige Aufgabe der Bewirtschaftung führt keineswegs automatisch zu höherer Vielfalt, sondern zu einem Rückgang offener Weideflächen und einer Vereinheitlichung der Vegetation. Während auf der intensiv genutzten Alpe Steris 14 Vegetationstypen (darunter artenreiche Bürstlingrasen) existieren, sinkt diese Zahl auf den extensiveren Alpen auf acht bis neun und auf der ungenutzten Alpe Wang auf nur noch drei Typen.
- Ökosystemleistungen und Resilienz: Besonders in der subalpinen Stufe führt Nutzungsaufgabe rasch zu Verbrachung, Verbuschung und Verhochstaudung. Dies mindert die Struktur- und Habitatvielfalt, wodurch wertvolle Mikrohabitate für spezialisierte Artengemeinschaften verloren gehen. Eine standortsangepasste Nutzung erweist sich somit als essenziell, um die Resilienz des Ökosystems und seine Leistungen für den Menschen langfristig zu sichern.
- Tourismus und Wirtschaftsfaktor: Mit dem Verlust der historisch gewachsenen offenen Kulturlandschaft verändert sich auch das Landschaftsbild. Die Verbuschung mindert den ästhetischen, touristischen und kulturellen Wert des Gebirgsraums. Um den Tourismus als zukunftsfähigen Wirtschaftsfaktor zu erhalten, muss er die aktive Pflege und Bewirtschaftung dieser Räume unterstützen.
Die Studie verdeutlicht die enge Wechselwirkung zwischen menschlichem Handeln und dem Schutz sensibler Gebirgsräume. Für die gesellschaftliche Transformation und eine erfolgreiche Renaturierung liefert die Arbeit ein klares Plädoyer: Nachhaltiger Biodiversitätsschutz im alpinen Raum gelingt nicht durch Nutzungsverzicht, sondern durch differenzierte, standortsangepasste Bewirtschaftungskonzepte, die ökologische Vielfalt und regionale Zukunftsfähigkeit gleichermaßen sichern.