FS 27.117
eDNA Metabarcoding als Schlüssel zur „Black Box“ des Bodens?
Details
Full Title
eDNA Metabarcoding als Schlüssel zur „Black Box“ des Bodens?Scheduled
TBATBAChair
Urban, AlexanderCo-chair(s)
No co-chair(s) nominatedThematic Focus
BodenKeywords
Fungi, Arthropoda, Collembola, Acari, Diptera
Abstract/Description
Boden ist Lebensraum für einen erheblichen Teil der terrestrischen Artenvielfalt – Schätzungen reichen von 25% bis 59% (Anthony, Bender und van der Heijden, 2023). Obwohl Mitteleuropa seit dem späten 19 Jahrhundert ein Hotspot der Bodenbiologie war, sind die Bodenorganismen (Edaphon) vergleichsweise unzureichend erfasst – selbst in Schutzgebieten mit langer Forschungstradition wie z.B. den Hohen Tauern. Die unvollständige Kenntnis des Edaphons ist angesichts des Klimawandels und Artensterbens auch ein Problem für den Biodiversitätsschutz – wie kann man Arten schützen, die noch nicht einmal wissenschaftlich erfasst sind? Dieses Problem betrifft nicht nur tropische Lebensräume, sondern auch die Böden der gemäßigten Breiten, Fortschritte in der Erfassung der Biodiversität des Bodens sind dringend notwendig.
eDNA Metabarcoding ist ein äußerst effizientes Werkzeug für die Exploration und das Monitoring der Vielfalt komplexer, hochdiverser Lebensgemeinschaften und hat einen gänzlich neuen Zugang zur Biodiversität und Ökologie des Bodens geschaffen, einschließlich der Funga. Die weltweit bekannten DNA-Signaturen der Pilze zeigen eine enorme, großteils undokumentierte Artenvielfalt, es ergeben sich Schätzungen von weltweit mindestens 2 Millionen Arten, bei ca. 160.000 beschriebenen und akzeptierten Pilzarten (Niskanen u. a., 2023), von denen die Mehrheit im Boden lebt. Auch in Österreich ist die Erfassung der bodenbewohnenden Pilze noch keinesfalls abgeschlossen, die Ergebnisse rezenter eDNA Metabarcoding-Projekte (Austrodung, MetaFung, Zurück in die Zukunft) lassen in der Zusammenschau mit klassischen mykologischen Biodiversitätserhebungen vielmehr auf eine erhebliche Anzahl undokumentierter Pilzarten schließen, dies lässt auch eine wesentlich höhere Gesamtzahl an Pilzarten vermuten als bislang geschätzt, mutmaßlich in der Größenordnung von mehreren 104 Arten.
Die Biodiversität des Bodens ist untrennbar mit dessen Ökosystemleistungen verbunden und damit eine essentielle Lebensgrundlage. Wie können wir die neuen Erkenntnisse zur biologischen Vielfalt im Boden für den Natur- Umwelt- und Klimaschutz nutzbar machen? Wie können die potentiellen Synergien klassisch-organismischer Biologie und technologieaffiner Forschung bestmöglich gehoben werden?
Anthony MA u. a. 2023 Proceedings of the National Academy of Sciences, 120(33)
Niskanen T u. a. 2023 Annual Review of Environment and Resources, 48, S. 149–176.