Zwei Jahrzehnte des Rückgangs alpiner Schneeboden-Pflanzen in den Nordöstlichen Kalkalpen
Abstract
Schneeböden stellen einen einzigartigen Lebensraum für spezialisierte Pflanzenarten dar, der sich durch eine relativ gute Wasser- und Nährstoffversorgung, aber aufgrund der lang-anhaltenden Schneedecke durch eine kurze Vegetationsperiode auszeichnet. Die Vegetation dieser Schneeböden ist daher vermutlich stark von den fortschreitenden klimawandelbedingten Veränderungen der Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse beeinflusst. In dieser Studie untersuchten wir die Entwicklung von sechs Pflanzenarten (Achillea atrata, Achillea clusiana, Arabis caerulea, Gnaphalium hoppeanum, Saxifraga stellaris und Sedum atratum) über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten in 210 Schneeboden-Standorten auf vier Bergen der Nordöstlichen Kalkalpen. Die Anzahl der besiedelten Standorte ging bei allen Arten – mit Ausnahme der endemischen Art A. clusiana – deutlich zurück, wobei kleine Populationen am stärksten von lokalen Aussterbeereignissen betroffen waren. Entsprechend wurde bei allen Arten außer A. clusiana ein erheblicher Rückgang der Populationsgrößen beobachtet. Dabei verschwand A. caerulea vollständig aus den untersuchten Schneeböden. Die Etablierung neuer Populationen kam hingegen nur selten vor. Diese Entwicklungen wurden in erster Linie durch die abnehmende Schneebedeckung (NDSI) und die zunehmende Vegetationsdichte (NDVI) bestimmt. Ohne wirksame Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels dürfte sich der beobachtete massive Bestandsrückgang in den kommenden Jahrzehnten noch verstärken und eine ernsthafte Bedrohung für diese spezialisierten Pflanzenarten darstellen, da ein Ausweichen in höhere Lagen aufgrund der geringen Seehöhe der Gipfellagen der Nordöstlichen Kalkalpen nicht möglich ist.
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