Windenergieausbau und Wildtiervernetzung in Österreich: räumliche Priorisierung von Landnutzungskonflikten
(2) Institute of Landscape Development, Recreation and Conservation Planning, Department of Landscape, Water and Infrastructure, BOKU University, Vienna, Austria
(3) Institute of Sustainable Economic Development, Department of Economics and Social Sciences, BOKU University, Vienna, Austria
Abstract
Der wachsende Energieverbrauch trägt durch Ressourcenverbrauch, Treibhausgasemissionen und andere Formen der Umweltverschmutzung wesentlich zum Klimawandel bei, sodass ein rascher Übergang zu erneuerbaren Energien, wie in den SDGs (Sustainable Development Goals) 7 und 13 verankert, erforderlich ist. Diese Transformation des Energiesystems ist jedoch nicht frei von ökologischen Auswirkungen. So führt zum Beispiel der Bau von Windturbinen, zugehörigen Zufahrtsstraßen und weiterer Infrastruktur zur Landschaftsfragmentierung und zur Zerschneidung wertvoller Lebensraumtypen und kann dadurch die funktionale Vernetzung von Wildtierlebensräumen negativ beeinflussen.
Österreich hat sich zum Ziel gesetzt, den nationalen Stromverbrauch bis 2030 bilanziell vollständig aus erneuerbaren Energiequellen zu decken, wobei der Ausbau der Windenergie – zu einem beträchtlichen Anteil in Niederösterreich – eine zentrale Rolle spielt. Gleichzeitig ist die Konnektivität von Lebensräumen entscheidend für den Genfluss, stabile Populationen und die langfristige Sicherung der Biodiversität. SDG 15 verdeutlicht daher die Notwendigkeit, die Vernetzung von Lebensräumen bei der Planung anthropogener Infrastruktur zu berücksichtigen. In Regionen mit hohem Windenergiepotenzial und zugleich hoher Bedeutung für die Wildtiervernetzung entstehen potenzielle Konflikte in der Landnutzung.
Wir untersuchen in unserer Studie, inwieweit erneuerbare Energien, Wildtiervernetzung und Biodiversität gemeinsam existieren können, mit Fokus auf den Einfluss von Windkraftanlagen auf die strukturelle und funktionale Konnektivität von Wildtierlebensräumen in Niederösterreich. Dabei analysieren wir, inwiefern die Wildtiervernetzung in der aktuellen Planung der Windkraftanlagen bereits implizit berücksichtigt wird. Mittels einer räumlichen Priorisierungsanalyse zur Windkraftstandortplanung verknüpfen wir das Energieerzeugungspotenzial mit Werten der funktionalen und strukturellen Vernetzung. Auf dieser Grundlage identifizieren wir Standorte, an denen ein hoher Energieertrag mit möglichst geringen negativen Auswirkungen auf die ökologische Konnektivität einhergeht. Unsere Ergebnisse liefern damit eine Entscheidungsgrundlage für eine räumlich differenzierte und naturverträgliche Windkraftplanung im Sinne der SDGs 7, 13 und 15, sodass die Biodiversität in Zeiten multipler Krisen als zentrale Grundlage nachhaltiger Entwicklung gesichert werden kann.
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