Über Ländergrenzen hinweg für den Schutz der Naturnacht
Abstract
Das Naturnachtgebiet Eisenwurzen vereint zwei Nationalparks (Kalkalpen und Gesäuse), drei Naturparks (Ötscher-Tormäuer, Steirische und Niederösterreichische Eisenwurzen) sowie ein Wildnisgebiet (Dürrenstein-Lassingtal). Das Schutzgebiet erstreckt sich über die Steiermark, Oberösterreich und Niederösterreich und umfasst 20 Gemeinden. Es hat eine Gesamtfläche von 2.396 km² mit einer 975 km² großen Kernzone und gilt als größte zusammenhängende natürliche Nachtlandschaft in Österreich und als eines der größten International Dark Sky Reserves weltweit. Die Initiative entstand aus der Erkenntnis, dass natürliche Dunkelheit eine ökologische Ressource ist, die ebenso wie Arten, Lebensräume und Landschaften schützenswert ist.
Viele Arten sind direkt auf natürliche Dunkelheit angewiesen, und künstliches Licht in der Nacht kann ihr Bewegungsverhalten, ihre Nahrungssuche, die Bestäubung, die Fortpflanzung sowie die Wechselwirkungen zwischen Raubtieren und Beutetieren beeinflussen. Zu den nachtaktiven Schirmarten der Region zählen die Bechsteinfledermaus, der Luchs und der Habichtskauz. Allein im Nationalpark Kalkalpen wurden 1.611 Schmetterlingsarten erfasst, wobei 94 % davon Nachtfalter sind, was die höchste bekannte Lepidopteren-Artenvielfalt aller österreichischen Schutzgebiete darstellt.
Da sowohl Lichtverschmutzung als auch nächtliche Lebensräume über die Grenzen der streng geschützten Gebiete reichen, wurde eine Studie initiiert, um Schutzmaßnahmen aus der Perspektive der Arten statt aus institutioneller Sicht zu ermitteln. Ein zentrales Ziel ist die Entwicklung eines Managementplans für nachtaktive Arten, welcher Monitoring und Artenschutzmaßnahmen miteinander verbindet. Der geplante Rahmen basiert auf der Auswahl von Indikatorarten nach Lichtempfindlichkeit, Schutzstatus, und räumlicher Repräsentativität. Schwerpunktgruppen sind Fledermäuse, Nachtfaltergemeinschaften, Amphibien und nachtaktive Vögel. Ein standardisiertes Monitoring soll Grundlagen für künftige Beleuchtungsvorschriften, die Renaturierung von Lebensräumen und die Bewertung von Managementmaßnahmen liefern.
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