Strategien gegen den Birnenverfall in der landwirtschaftlichen Praxis: aktuelle Erkenntnisse und Perspektiven
(2) Reikersdorfer Presshausheuriger, Greinöd 1, 3364 Neuhofen an der Ybbs
Abstract
Der Birnenverfall (Pear decline) zählt zu den bedeutendsten Problemen alter Birnen- und Mostbirnenbestände in Österreich. Gerade alte Mostbirnenbestände prägen die Streuobstlandschaft und tragen wesentlich zum ökologischen Wert dieser Lebensräume bei. Ihr langfristiger Erhalt ist daher sowohl aus landwirtschaftlicher als auch als naturschutzfachlicher Sicht von Bedeutung. Verursacht wird der Birnenverfall durch das Phytoplasma ‘Candidatus Phytoplasma pyri’, das im Phloem der Bäume lebt und durch Birnblattsauger der Gattung Cacopsylla übertragen wird. Erkrankte Bäume können unter anderem vorzeitige Blattverfärbungen, reduziertes Wachstum, geringeren Fruchtansatz und einen fortschreitenden Vitalitätsverlust zeigen. Eine direkte kurative Bekämpfung steht derzeit nicht zur Verfügung.
Untersuchungen zur Epidemiologie des Birnenverfalls haben in den vergangenen Jahren wesentlich zum Verständnis des Zusammenspiels zwischen Erreger, Wirtspflanze und Vektoren beigetragen. Dabei zeigt sich, dass mehrere Birnblattsaugerarten an der Verbreitung des Erregers beteiligt sind und die Krankheitsdynamik durch eine Reihe biologischer und standörtlicher Faktoren beeinflusst wird. Aufgrund der komplexen Epidemiologie, der weiten Verbreitung des Erregers und der nur eingeschränkt verfügbaren Bekämpfungsmöglichkeiten erscheint eine nachhaltige Kontrolle des Birnenverfalls über eine Regulierung der Vektoren wenig erfolgversprechend.
Ziel des EIP-Projekts „Strategien gegen den Birnenverfall in der landwirtschaftlichen Praxis“ ist die Entwicklung nachhaltiger und praxisnaher Strategien zur Eindämmung des Birnenverfalls. Im Zentrum stehen mehrere miteinander verknüpfte Forschungs- und Praxisansätze, die auf Grundlage vorhandener Literatur, der Ergebnisse vorangegangener Forschungsarbeiten sowie eines intensiven Austauschs mit Praktikerinnen und Praktikern entwickelt wurden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, warum einzelne alte Birnbäume trotz langjährigem Krankheitsdruck eine vergleichsweise hohe Vitalität zeigen und welche Möglichkeiten sich daraus für den zukünftigen Umgang mit der Erkrankung ableiten lassen. Ergänzend werden weitere Ansätze zur Stabilisierung und langfristigen Erhaltung von Birnenbeständen untersucht. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, praxistaugliche Strategien für den Aufbau resilienter Birnbestände zu schaffen und damit einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung des Streuobstbaus als landwirtschaftliches und kulturelles Erbe Österreichs zu leisten.
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