Regionale Zielpfade im Landnutzungstrilemma: Downscaling von Energie- und Biodiversitätszielen
(2) BOKU University, Institute of Landscape Development, Recreation and Conservation Planning, Peter-Jordan-Straße 65, 1180 Vienna
(3) BAB Research, Dietrichgasse 27, 1030 Vienna
(4) RMW - Ingenieurbüro für Landschaftsplanung, Flatschacherstrasse 134/4/7, 9020 Klagenfurt
(5) JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH, LIFE – Institute for Climate, Energy Systems and Society, Waagner-Biro-Straße 100, 8020 Graz
Abstract
Politische Zielsetzungen für erneuerbare Energien, Biodiversitätsschutz und Landwirtschaft treffen in alpinen Regionen auf begrenzte Flächen, unterschiedliche regionale Voraussetzungen und teils konkurrierende Nutzungsansprüche. Eine zentrale Herausforderung besteht darin, das Landnutzungs-Trilemma zwischen Naturschutz, Erneuerbaren-Ausbau und landwirtschaftlicher Produktion inter- und transdisziplinär zu bearbeiten. Dieser Beitrag adressiert zwei methodische Kernfragen innerhalb des Projekts TriLand: Welche übergeordneten Klima-, Energie- und Biodiversitätsziele gibt es und wie lassen sich diese transparent und umsetzungsorientiert auf Biosphärenparks und andere regionale Handlungsebenen herunterbrechen? Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Landnutzungskonflikte nicht nur durch Flächenknappheit entstehen, sondern auch dadurch, dass diverse sektorale Ziele räumlich zusammentreffen und regional unterschiedlich wirksam werden. Ziel dieses Beitrages ist es daher, den Prozess der regionalen Zielableitung systematisch zu strukturieren und unterschiedliche Verteilungslogiken vergleichbar zu machen.
Vorgestellt wird ein konzeptioneller Downscaling-Ansatz, der drei Dimensionen verbindet: übergeordnete quantitative Ziele, Verteilungsmethoden und konkrete Verteilungsschlüssel. Diskutiert werden unter anderem proportionale Ansätze, Equality-, Capability- und Responsibility-Logiken, Grandfathering, gap-basierte Konvergenz, sowie multikriterielle Gewichtungen. Diese Methoden werden mit Schlüsseln wie Bevölkerung, Fläche, Energiepotenzial, Endenergieverbrauch, BIP/BRP, Habitatanteile oder spezifische Flächenkategorien verknüpft. Dadurch wird sichtbar, dass regionale Zielwerte keine rein technischen Ableitungen sind, sondern normative Annahmen über Verantwortung, Leistungsfähigkeit, Bedarf, Effizienz und Umsetzbarkeit enthalten.
In einem Workshop mit nationalen Stakeholdern aus Verwaltung und Wissenschaft sowie regionalen Stakeholdern aus den Fallstudienregionen Lungau und Wienerwald wurde dieser Downscaling-Ansatz diskutiert und in einem multikriteriellen Verfahren zur regionalen Zielableitung gewichtet. Methodisch knüpft dies an eine MCDA-Logik an, bei der mehrere Verteilungsschlüssel gewichtet kombiniert werden können.
Anhand der Fallstudie Lungau wird exemplarisch gezeigt, wie stark regionale Zielzuweisungen je nach gewählter Kombination aus Verteilungsmethode und -schlüssel variieren können. Für ein PV-Ziel des Landes Salzburg von +550 GWh bis 2030 ergeben sich für den Lungau Orientierungswerte von etwa 13 bis 79 GWh. Dieser Beitrag zeigt daher, dass regionale Zielpfade im Landnutzungstrilemma transparent begründet, multikriteriell reflektiert und unter Berücksichtigung regionaler Restriktionen entwickelt werden sollten.
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