Netzwerkbildung durch das gemeinsame Ziel Humusaufbau
(2) Institut für Pflanzenbau, BOKU University, Konrad Lorenz-Straße 24, 3430 Tulln an der Donau, Österreich
(3) Department für Bodenforschung, FiBL Schweiz, Ackerstrasse 113, 5070 Frick, Schweiz
(4) Department für Agrar- und Ernährungssysteme, FiBL Schweiz, Ackerstrasse 113, 5070 Frick, Schweiz
Abstract
Die regenerative bzw. humusaufbauende Landwirtschaft hat im letzten Jahrzehnt zunehmend Aufmerksamkeit gewonnen und spricht sowohl konventionell als auch biologisch wirtschaftende Landwirt*innen an. Dieser Beitrag untersucht, weshalb gerade die regenerative Landwirtschaft innerhalb landwirtschaftlicher Communities auf Zuspruch stößt und wie sich die damit verbundenen Netzwerke bilden. Grundlage dafür sind qualitative Interviews mit Landwirtinnen aus der deutschsprachigen Schweiz und Österreich.
Im Zentrum der Analyse steht Humusaufbau als Boundary Object, das unterschiedliche Diskurse, Bewirtschaftungsweisen und landwirtschaftliche Hintergründe miteinander verbindet. Humusaufbau schafft einen gemeinsamen Bezugspunkt für den Austausch von Wissen, Erfahrungen und praktischen Lösungsansätzen und ermöglicht dadurch neue Verbindungen zwischen Landwirt*innen verschiedener landwirtschaftlicher Gruppierungen. Die daraus entstehenden Netzwerke sind durch intensiven Wissensaustausch und gemeinsames Lernen geprägt, etwa in Form von Stammtischen, Feldtagen und Online-Schulungen. Die Befragten beschreiben sie als unterstützende Gemeinschaften, in denen gegenseitige Erfahrungen und konkrete Hilfestellungen bei der Umsetzung neuer Maßnahmen eine zentrale Rolle spielen. Als besonders positiv wird wahrgenommen, dass die Netzwerke überwiegend von praktizierenden Landwirt*innen und Berater*innen mit eigenen Betrieben getragen werden. Dadurch basiert der Austausch auf praktischer Erfahrung und Umsetzbarkeit. Die vermittelten Maßnahmen erscheinen den Beteiligten zugleich erstrebenswert und realistisch umsetzbar, wodurch Vertrauen und Handlungssicherheit gefördert werden können.
Gleichzeitig zeigen sich Grenzen dieses Netzwerkpotenzials: Die Gemeinschaften fokussieren überwiegend auf betriebliche Lösungen und praktisches Wissen, während strukturelle und systemische Herausforderungen weniger Beachtung finden. Wir diskutieren daher kritisch, ob und unter welchen Bedingungen landwirtschaftliche Netzwerke über den Wissensaustausch hinaus zur langfristigen Veränderung landwirtschaftlicher Praktiken beitragen können. Dabei betrachten wir insbesondere, welche Rolle gemeinsame Ziele, praktische Unterstützung und die Zusammensetzung der Netzwerke für deren langfristige Wirkung spielen.
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