Monitoring in Gletschervorfeldern der Nördlichen Kalkalpen – Änderungen der funktinellen Zusammensetzung
Abstract
Durch den Rückzug der Gletscher haben sich in den entsprechenden Vorfeldern in den letzten 170 Jahren Ökosysteme neu entwickelt. Aufgrund der raum-zeitlichen Dynamik des Gletscherrückzuges lässt sich vergleichsweise gut ermitteln, wie lange welche Bereiche eisfrei sind. Über diese sogenannten Chronosequenzen lässt sich zwar nicht immer, aber doch mehr oder weniger gut das Sukzessionsalter ableiten. Während die Sukzession in den Süd- und insbesondere in den Zentralalpen gut untersucht ist, fehlen weitgehend Studien aus den nördlichen Kalkalpen. Zum einen ist die Vegetationsentwicklung in letzteren bei weitem langsamer, als es aus den Zentralalpen bekannt ist. Zum anderen gibt es nur wenige Studien, die eine Veränderung in funktionellen Aspekten analysiert haben.
Am Beispiel von vier Gletschern aus zwei Gebirgsgruppen der Nördlichen Kalkalpen fokussieren wir uns auf die Änderungen in der funktionellen Zusammensetzung der Vegetation über die Zeit. Durch ein inzwischen acht Jahre umfassendes Monitoring können wir sowohl auf Ergebnisse der Chronosequenzen, als auch auf solche des Monitorings zurückgreifen. Unter anderem wird deutlich, dass sich die Vegetation jüngerer Flächen durch eine höhere spezifische Blattfläche auszeichnet, die mit zunehmendem Alter abnimmt. Dies entspricht den Erwartungen von Pionierarten vs. solchen späterer Sukzessionsstadien („Konkurrenten“). Auch nehmen Arten, die in ihrer Bestäubung nicht auf weitere Agenten angewiesen sind (Selbstbestäuber), mit der Zeit ab, während Arten, die durch Wind und insbesondere Insekten bestäubt werden, zunehmen. Dementsprechend ist auch eine Abnahme der sogenannten „Ruderalstrategen“ und Zunahme der „Konkurrenzstrategen“ zu beobachten. Weit dominanter ist jedoch eine Zunahme der stresstoleranten Pflanzenarten. Wider unseren Erwartungen war jedoch keine Zunahme der mittleren Pflanzenhöhe/Vegetationshöhe zu beobachten. Die Ergebnisse deuten an, dass eine klassische Einteilung in Pionier- und Konkurrenzarten unter den Umweltbedingungen, die Stresstoleranz erfordern, neu überdacht werden muss. Dies hat insbesondere Auswirkungen auf die Interpretation von funktionellen Veränderungen in Langzeitdaten von Hochgebirgsökosystemen.
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