Langzeit-Monitoring in Gletschervorfeldern – Neue Einblicke und Methoden
(2) Landesverband Baden-Württemberg des DAV e.V., Fachbereich Naturschutz, Fritz-Walter-Weg 19, 70372 Stuttgart, Deutschland
Abstract
Gletschervorfelder stellen wertvolle natürliche Labore zur Untersuchung von Veränderungen in Hochgebirgs-Ökosystemen dar. Da sie sich infolge des rezenten Klimawandels derzeit besonders rasch ausdehnen, lassen sich aktuelle Veränderungen beobachten. Sie können als „space-for-time substitutions“ genutzt werden aber auch, um längerfristige Entwicklungen zu erfassen. Ein langfristiges Monitoring dieser hochdynamischen Lebensräume ermöglicht daher fundierte Einblicke in die Auswirkungen von Klimawandel und Landnutzungsänderungen auf Biodiversität, Sukzessionsprozesse und Ökosystementwicklung in hochalpinen Regionen.
Zur Verbesserung der räumlichen und zeitlichen Auflösung stellen „Unmanned Aerial Vehicles“ (UAVs) eine wichtige Ergänzung zu klassischen vegetationsökologischen Aufnahmen im Feld dar. UAV-basiertes Monitoring ermöglicht flächendeckende, wiederholbare Erhebungen in hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung und erlaubt damit die Analyse kleinräumiger Vegetationsmuster, geomorphologischer Prozesse sowie der langfristigen Entwicklung von Ökosystemen. Durch die Kombination von Vegetationsaufnahmen mit UAV-basierten Fernerkundungsdaten können punktuelle in-situ Beobachtungen mit landschaftsbezogenen Veränderungen verknüpft werden. Dadurch lässt sich das Verständnis darüber vertiefen, wie Biodiversität und Vegetationsdynamik auf veränderte Umweltbedingungen reagieren.
Da sich Gletschervorfelder hinsichtlich Topographie, Höhenlage, Ausgangsgestein, Mikroklima, Störungsregime und Bodenentwicklung erheblich unterscheiden können, ist es von zentraler Bedeutung, nicht nur einzelne Untersuchungsgebiete über mehrere Dekaden hinweg zu analysieren, sondern auch vergleichende Studien zwischen verschiedenen Gletschervorfeldern durchzuführen. Solche Vergleiche sind wesentlich, um spezifische lokale Entwicklungsprozesse von übergeordneten, etwa durch den Klimawandel oder Landnutzungsänderungen beeinflussten Effekten differenzieren zu können.
Das vorgestellte Vegetations-Monitoring umfasst mehrere Gletschervorfelder innerhalb von LTER-Standorten. Es zeigt sich, dass Vegetations- und Ökosystementwicklung in Abhängigkeit von Umweltbedingungen, Topographie und Ausgangsgestein deutlich unterscheiden können. Sowohl etablierte als auch neu eingerichtete Chronosequenzen weisen unterschiedliche Entwicklungen auf und unterstreichen damit die Relevanz vergleichender Untersuchungsansätze. Seit diesem Jahr wird zudem ein UAV-basiertes Monitoring in zwei Gletschervorfeldern mit unterschiedlichem Ausgangsgestein integriert. Dadurch wird es ermöglicht, klassische vegetationsökologische Erhebungen mit hochaufgelösten räumlichen Daten zu verknüpfen. Für eine belastbare Vergleichbarkeit, insbesondere im Hinblick auf Biodiversitätsmuster, ist der Einsatz standardisierter Methoden dabei von besonderer Bedeutung.
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