Erfassung der Diversität wenig erforschter Taxa in alpinen Regionen: Potenziale und Herausforderungen naturhistorischer Sammlungen am Beispiel parasitoider Wespen
Abstract
Parasitoide Wespen gehören zu den artenreichsten Komponenten der terrestrischen Biodiversität, doch ihre Diversität und Verbreitung sind noch unvollständig bekannt. Während die parasitoide Fauna Mitteleuropas aufgrund einer langen Tradition taxonomischer Forschung und vorhandener Expertise vergleichsweise gut untersucht ist, bestehen insbesondere in den Alpen erhebliche Wissenslücken. Alpine Lebensräume beherbergen vielfältige und häufig spezialisierte Insektengemeinschaften sowie einzigartige Ökosysteme und könnten daher eine beträchtliche, bislang undokumentierte Diversität an Parasitoiden aufweisen. Gleichzeitig gehören alpine Regionen und ihre Lebensgemeinschaften zu den von der Klimaerwärmung besonders stark betroffenen Ökosystemen, wodurch ein besseres Verständnis ihrer Biodiversität und ihrer zeitlichen Veränderungen besonders relevant wird.
Naturhistorische Sammlungen stellen eine wichtige Informationsquelle dar, um diese Lücken zu verringern. Historische Belege dokumentieren frühere Artvorkommen und deren Verbreitung und ermöglichen damit die Rekonstruktion von Ausgangszuständen sowie die Untersuchung von Veränderungen der Biodiversität über die Zeit. Ihre Interpretation wird jedoch durch unvollständige und ungleichmäßige Beprobung sowie durch Verzerrungen aufgrund von Sammlern, Zugänglichkeit, Saison und Habitat erschwert. Das Verständnis dieser Verzerrungen kann zugleich helfen, Wissenslücken zu erkennen und zukünftige Beprobungen gezielter zu planen.
Der Vortrag beleuchtet die Potenziale und Herausforderungen naturhistorischer Sammlungen für die Erfassung der Diversität der Ichneumonidae, einer der artenreichsten Familien parasitoider Wespen, in den Alpen. Grundlage sind die publizierte Literatur sowie eine Pilotstudie an einer historischen Sammlung des Naturhistorischen Museums Wien aus dem 20. Jahrhundert. Dabei werden Möglichkeiten diskutiert, historische Sammlungen mit gezielter Freilandbeprobung, moderner Taxonomie, Digitalisierung und neuen Bestimmungsmethoden wie DNA-Barcoding zu verbinden, um die Diversität alpiner Parasitoide und ihre Veränderungen über die Zeit besser zu verstehen.
If this happens again, please get in touch with us.