Arten(kenntnis) am Aussterben?

Abstract ID: 3.155
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Oswald, M. (1)
Glatzhofer, E. (2)
(1) LACON Landschaftsplanung GmbH - Ingenieurbüro für Landschaftsplanung – Consulting, Hasnerstraße 123/3.2.2, 1160 Vienna, Austria
(2) V.I.N.C.A - Institut für Naturschutzforschung und Ökologie GmbH, Gießergasse 6/7 1090 Vienna, Austria
How to cite: Oswald, M.; Glatzhofer, E.: Arten(kenntnis) am Aussterben?, #TDB27-3.155
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Keywords: Artenkenntnis, Taxonomie, Biodiversitätsverlust, Entomologie, Nachwuchsförderung
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In der heutigen Zeit gehen nicht nur Arten tagtäglich verloren, sondern zugleich auch die Menschen, die sie erkennen und korrekt bestimmen können. Artenkenntnis ist eine zentrale Grundlage ökologischer Forschung und unverzichtbar für wirkungsvollen Naturschutz, Landschaftsplanung und Biodiversitätsforschung. Nur wer Organismen sicher erkennen und bestimmen kann, kann Biodiversität erfassen, ökologische Zusammenhänge verstehen, Lebensräume bewerten und wirksame Schutzmaßnahmen entwickeln. Ausgerechnet inmitten der Biodiversitätskrise droht damit jene Expertise verloren zu gehen, die für ihre Erforschung und Bewältigung dringend benötigt wird. Gleichzeitig werden zoologische und entomologische Bestimmungskurse an Universitäten seltener. Damit verschwinden auch Räume des gemeinsamen Lernens: ins Gelände gehen, Tiere beobachten und sammeln, am Binokular bestimmen, schwierige Merkmale diskutieren und Wissen von erfahrenen ArtenkennerInnen an die nächste Generation weitergeben.

Um diesem Verlust entgegenzuwirken, wurden am Biologiezentrum der Universität Wien die „Bestimmungsabende“ als studentische Initiative gegründet und später in die Junge ZooBot eingebunden. Alle zwei Wochen treffen sich Studierende, erfahrene EntomologInnen und Interessierte, um gemeinsam vorwiegend Insekten zu bestimmen und zu präparieren. Im Zentrum stehen gemeinsames Forschen, voneinander Lernen und der direkte Austausch zwischen unterschiedlichen Erfahrungsstufen.

Im Vortrag berichten Mario Oswald und Betty Glatzhofer aus ihrer Erfahrung als entomologische FachexpertInnen, angewandte ÖkologInnen und OrganisatorInnen der Wiener Bestimmungsabende. An Heuschrecken und Dungkäfern erlebten sie selbst, weshalb spezialisierte Artenkenntnis trotz digitaler Bestimmungs-Apps und automatisierter Verfahren nicht an Bedeutung verliert. Gerade in Naturschutz, ökologischer Planung und Monitoring besteht Bedarf, relevante Organismengruppen sicher bestimmen können. Artenkenntnis eröffnet damit auch konkrete berufliche Chancen.

Die Bestimmungsabende zeigen, wie niederschwellige Formate dem Mangel an taxonomischem Nachwuchs entgegenwirken können. Sie schaffen Orte, an denen Wissen praktisch weitergegeben, Begeisterung für Organismen geweckt und Kontakte zwischen (zukünftigen) ExpertInnen geknüpft werden. Denn Artenkenntnis entsteht nicht allein aus Büchern oder Apps. Sie entsteht vor allem dort, wo Menschen gemeinsam in die Natur hinausgehen, beobachten und voneinander lernen.

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