Alpine Gewässer im Umbruch: Libellen als Zeiger des globalen Wandels
(2) University of Vienna, Department of Botany and Biodiversity Research, Rennweg 14, Vienna 1030, Austria
(3) Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Department of Global Change Ecology, Biocentre, Würzburg, Germany
(4) Philipps-University Marburg, Department of Conservation Ecology, Marburg, Germany
(5) Fischereiverband Südtirol EO, Bolzano, Italy
(6) Università del Piemonte Orientale ‘Amedeo Avogadro’, Dipartimento di Scienze e Innovazione Tecnologica, Alessandria, Italy
Abstract
Klimawandel, Lebensraumverlust und die zunehmende Veränderung natürlicher Ökosysteme setzten die Gewässer und Feuchtlebensräume der Alpen zunehmend unter Druck. Libellen eignen sich besonders gut, um diese Veränderungen zu untersuchen. Sie lassen sich im Feld leicht und schnell bestimmen, und sie werden bereits seit Jahrzehnten als Indikatoren für Süßwasser-Ökosysteme verwendet. Wir haben umfangreiche lokaler Erfassungen in den Südalpen genutzt, um das Zusammenspiel klimatischer Veränderungen, des anthropogenen Wandels und Habitatfragmentierung auf die Zusammensetzung von Libellengemeinschaften im Detail zu untersuchen.
Unsere Ergebnisse zeigen, dass die heutige Zusammensetzung von Libellengemeinschaften vor allem durch lokale Eigenschaften eines Gewässers, wie etwa Höhenlage, Größe und Lebensraumstruktur bestimmt wird. Die geografische Isolation einzelner Gewässer spielte dagegen eine geringe Rolle. Dies zeigt, dass Libellen innerhalb der vielfältigen alpinen Landschaft ein hohes Dispersionspotential besitzen und sich gut zwischen geeigneten Lebensräumen bewegen können. Somit spielen naturnahe Wasserkörper eine zentrale Rolle in der Erhaltung regionaler Populationen. Künstliche Gewässer können dagegen natürliche Lebensräume nur bedingt ersetzen. Sie werden vor allem von generalistischen Arten aus tieferen und wärmeren Lagen besiedelt, während alpine Arten von diesen Gewässern kaum profitieren. Dadurch tragen künstliche Gewässer zu einer Überformung der alpinen Fauna durch wärmeliebende Arten bei. Weil diese alpinen Arten eine besondere Funktionelle Diversität und nahverwandte Taxa verkörpern droht der Verlust seltener und teils endemischer Biodiversität.
Dies verdeutlicht, dass die Erhaltung natürlicher Gewässer unter den Bedingungen des globalen Wandels eine zentrale Rolle spielen. Nur so können natürliche Feuchtgebiete und ihre vielfältigen Funktionen, für andere Ökosysteme und für die menschlicher Gesellschaft, langfristig erhalten werden.
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