„150.000 Belege, aber wo sind die Daten?“ – Das Moosherbarium des Joanneums zwischen Sammlungsgeschichte und Digitalisierung
Abstract
Das Moosherbarium des Universalmuseums Joanneum zählt zu den umfangreichsten und bedeutendsten Moossammlungen Österreichs. Bereits 1811, im Gründungsjahr der naturwissenschaftlichen Sammlungen des Grazer Joanneums durch Erzherzog Johann von Österreich, gehörten Moose zu den Beständen. Durch kontinuierliche Zukäufe und Schenkungen wuchs die Sammlung stetig. Bereits ab 1860 wurde der jährliche Zuwachs systematisch dokumentiert. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war die Sammlung auf rund 150.000 Belege angewachsen. Eine 1960 veröffentlichte Übersicht erfasste bereits 4.021 Moosarten. Bis zu diesem Zeitpunkt war es weitgehend gelungen, die Zugänglichkeit der Sammlung durch Register, Verzeichnisse und Publikationen sicherzustellen. Aus heutiger Perspektive eröffnet die Digitalisierung neue Möglichkeiten, macht zugleich jedoch ein bemerkenswertes Paradoxon sichtbar: Während historische Sammlungsbestände einst durch analoge Erschließungsinstrumente vergleichsweise gut zugänglich waren, ist der Fortschritt in der digitalen Erfassung stark rückständig. Am Beispiel der Moossammlung des Joanneums soll nicht nur aufgezeigt werden, welchen wissenschaftlichen Wert Sammlungsdaten für unterschiedliche Forschungsrichtungen, insbesondere für die Biodiversitätsforschung besitzen, sondern gleichzeitig die Dringlichkeit umfassender Digitalisierungen verdeutlichen. Dabei stellt sich nicht nur die Frage nach dem „Wie“ der Digitalisierung, sondern ebenso nach dem „Wer“.
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