Monitoring nächtlicher Ökosysteme bei Lichtverschmutzung: eDNA-Nachweis von Arthropoden und akustische Fledermauserfassung im Interreg-Projekt DARKERSKY4CE
Abstract
Lichtverschmutzung ist ein bedeutendes Umweltproblem mit gut dokumentierten Auswirkungen auf nächtliche Ökosysteme, deren Folgen auf Ebene von Artengemeinschaften jedoch noch wenig quantifiziert sind. Zahlreiche Arten sind für Orientierung, Fortpflanzung und Nahrungssuche auf natürliche Hell-Dunkel-Zyklen angewiesen. Künstliches Licht bei Nacht (ALAN) stört diese Zyklen, verändert Räuber-Beute-Beziehungen und führt zu Veränderungen in der Funktionsweise von Ökosystemen. Das Interreg-Projekt DARKERSKY4CE widmet sich dem Schutz dunkler Lebensräume in Mitteleuropa, das zu den am stärksten lichtverschmutzten Regionen weltweit zählt. Die CU Hochschule Kärnten hat dazu ein Photometer-Netzwerk zur Messung der Lichtverschmutzung in Österreich aufgebaut und neue Methoden zum Monitoring nächtlicher Ökosysteme erprobt. Dabei wurde ein neu entwickeltes eDNA-Verfahren für Arthropoden parallel zu einem klassischen passiven akustischen Monitoring von Fledermäusen eingesetzt.
An zwei Teststandorten in Kärnten wurde 2025 erstmals ein neuartiges, für die nicht-letale Gewinnung von Umwelt-DNA (eDNA) adaptiertes Malaisefallen-System getestet. Die Sammelflaschen enthalten Ausstiegsöffnungen, sodass die Organismen die Falle wieder verlassen können, nachdem sie DNA-Spuren auf Filtern an der Innenseite der Flasche hinterlassen haben. Im Durchschnitt wurden pro Filter 3 Sequenzvarianten (SV) mit hoher Übereinstimmung zu Arthropoden-Referenzsequenzen und pro Sammelflasche 6 bis 8 SV nachgewiesen. In einem separaten Vergleich klassischer Ethanol-Sammelproben mit eDNA-Sammelflaschen erfassten trotz hoher Variabilität innerhalb der jeweiligen Methode beide Verfahren nur zwei Arten gemeinsam. Zusätzlich wurden an beiden Standorten Fledermausrufe mit automatischen Aufnahmegeräten (ARUs) aufgezeichnet. Die Auswertung der Audiodateien erfolgte manuell anhand visueller Rufanalyse. Über zwei Nächte konnten an jedem Standort vier Fledermausarten bestätigt werden.
Aufbauend auf diesen Ergebnissen erfolgte im Naturpark Weissensee die Umsetzung eines Versuchsdesigns zum Vergleich relativ heller und dunkler Fallenstandorte. Im Juli 2026 wurden dafür an jedem Standort vier für die eDNA-Beprobung adaptierte Malaisefallen gemeinsam mit ARUs eingesetzt. Über fünf Nächte wurden Proben gesammelt und Daten aufgezeichnet.
Wir stellen erste Ergebnisse dieser Pilotstudien vor und diskutieren das Potenzial nicht-letaler Erfassungsmethoden als Monitoring-Werkzeug für nächtliche Ökosysteme.
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