Wege zu einem nachhaltigeren Ernährungssystem im europäischen Alpenraum
Abstract
Das Ernährungssystem des europäischen Alpenraums ist eng mit globalen Lieferketten verflochten und auf Futtermittel- und Düngemittelimporte angewiesen, um die derzeitigen landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsformen aufrechtzuerhalten. Diese Abhängigkeit erschwert die Bewertung des tatsächlichen Potenzials für die Selbstversorgung mit Lebensmitteln sowie der Tragfähigkeit der Alpenregion. Die vorliegende Studie untersucht, wie regionale Lebensmittelproduktion, Veränderungen der Ernährungsweise und nachhaltigere landwirtschaftliche Praktiken die Resilienz des Ernährungssystems im europäischen Alpenraum stärken könnten.
Unsere Ergebnisse zeigen, dass 59 % der in der Region verfügbaren Nahrungsenergie aus der regionalen Produktion stammen. Nahezu 60 % dieser Produktion werden jedoch als Futtermittel für Nutztiere verwendet, was zu einem hohen Flächenfußabdruck von bis zu 0,3 Hektar pro Person und Jahr führt. Die Modellierung verschiedener Szenarien zeigt, dass die Region ohne Ausweitung der landwirtschaftlich genutzten Flächen 89 % ihres derzeitigen Nahrungsmittelbedarfs decken könnte. Dieser Anteil variiert jedoch regional aufgrund von Unterschieden bei Bevölkerungsdichte, Flächenverfügbarkeit und Ernährungsgewohnheiten.
Eine Umstellung auf gesunde Ernährungsweisen auf Grundlage nationaler lebensmittelbasierter Ernährungsleitlinien könnte die Selbstversorgung mit Lebensmitteln deutlich verbessern, den Flächenbedarf um mehr als 45 % verringern und Treibhausgasemissionen, Eutrophierung sowie Süßwasserentnahmen reduzieren. Zwar könnten die Lebensmittelabfälle aufgrund des höheren Obst- und Gemüseverzehrs zunehmen, ihr Flächenfußabdruck wäre jedoch geringer. Zudem könnten diese Abfälle der Landwirtschaft als wertvolle Ressource dienen. Die Ergebnisse zeigen, dass Veränderungen der Ernährungsweise, regionale Ernährungspolitik und eine nachhaltige Flächennutzungsplanung wesentlich dazu beitragen könnten, die Ziele des Europäischen Grünen Deals und des Europäischen Klimagesetzes zu erreichen und ein resilienteres sowie ökologisch nachhaltigeres Ernährungssystem im Alpenraum zu fördern.
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