Welche Bodentiere leben auf alpinen Berggipfeln Südtirols? Einblicke aus der ersten Runde von GLORIA Extended
(2) Department of Ecology, Universität Innsbruck, Technikerstrasse 25, A-6020 Innsbruck, Austria
Abstract
Bereits seit Jahrzehnten untersucht das GLORIA-Programm weltweit Veränderungen in Pflanzengemeinschaften auf alpinen Gipfeln. Im Jahr 2020 wurde ein zusätzliches Protokoll eingeführt, um auch Veränderungen in alpinen Bodenfauna-Gemeinschaften zu erfassen. Hier präsentieren wir Ergebnisse der ersten Probenahme-Runde aus Südtirol (Italien).
In Südtirol befinden sich zwei GLORIA-Untersuchungsregionen: (1) die Dolomiten und (2) die Texelgruppe. Beide bestehen jeweils aus vier isolierten Berggipfeln in vier verschiedenen Höhenlagen (z. B. Dolomiten: 2.199–2.893 m ü. M; Texelgruppe: 2.180–3.287 m). Fünf Meter unterhalb jedes Gipfels haben wir in jeder Himmelsrichtung jeweils vier Bodenfallen aufgestellt (d. h. insgesamt 16 Fallen pro Gipfel), die im Sommer drei Wochen lang aktiviert wurden.
Die Ergebnisse zeigten erhebliche Unterschiede zwischen den Gipfeln innerhalb und zwischen den einzelnen Gebirgsgruppen. Die durchschnittliche Abundanz und die Taxa-Diversität nahmen linear mit zunehmender Höhe ab, wobei auf den höheren Gipfeln einzelne Taxa die Bodenfauna-Gemeinschaften dominierten. Coleoptera dominierten stets mit einem Anteil von über 30 % an der gesamten Gemeinschaft und erreichten auf den höchsten Gipfeln einen Dominanzanteil von bis zu 80 % (v.a. Carabidae und Staphylinidae). An den Südhängen der niedrigeren Gipfel wurden in den Bodenfallen die meisten Individuen gefangen; auf den höchsten Gipfeln wurden hingegen mehr Tiere an den Nordhängen gefunden.
Diese Erkenntnisse zeigten, dass es auf den (hochalpinen) Gipfeln Südtirols äußerst aktive und vielfältige Bodenfauna-Gemeinschaften gibt. Auch wenn die grundlegende Zusammensetzung ähnlich erschien (d.h. Coleoptera und Opiliones), unterschieden sich die Bodenfauna-Gemeinschaften der einzelnen Gipfel deutlich voneinander. Zudem wiesen einige Gruppen zwar hohe Aktivitätsraten auf (z.B. Staphylinidae), jedoch war ihre Biomasse war sehr gering, was zu uneinheitlichen Ergebnissen zwischen Abundanz und Biomasse führte. Der GLORIA-Extended-Ansatz lieferte uns wertvolle neue Erkenntnisse über die alpine Bodenfauna, da solche abgelegenen Gipfel auch in den Europäischen Alpen bisher nur selten untersucht wurden.
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