Warum werden Streuobstwiesen aufgegeben und was fördert ihren Erhalt? Eine praxistheoretische Analyse
Abstract
Streuobstwiesen sind multifunktionale Kulturlandschaften, die Biodiversität, Sortenvielfalt und regionales Kulturerbe sichern. Dennoch gehen sie in vielen europäischen Regionen rapide zurück und bestehen oft nur mehr isoliert. Bisherige Studien nennen diverse Treiber für diesen Rückgang, doch es fehlt ein integriertes Verständnis der Mechanismen dieses Rückgangs und der damit verbundenen Hebelpunkte, um ihren Erhalt oder Ausbau in Zukunft zu fördern. Im Rahmen des Biodiversa+-Projekt TRANSFOrm untersuchen wir erstmals aus einer Perspektive der Sozialen Praxistheorie, welche Mechanismen zur Stabilisierung bzw. Destabilisierung des Streuobstanbaus führen. Dabei verstehen wir Streuobstanbau als Bündel von (landwirtschaftlichen) Praktiken, getragen von Materialien, Kompetenzen und Bedeutungen und eingebettet in Hof- und Haushaltsroutinen. Auf Basis qualitativer Interviews mit Bewirtschafter:innen in Südtirol sowie der Steiermark-Burgenland-Region analysieren wir, welche Faktoren diese Praktiken (z.B. Baumschnitt) destabilisieren oder stabilisieren – auf Ebene einzelner Tätigkeiten, des Streuobstsystems sowie seiner Verflechtung mit anderen Praktiken. Erste Ergebnisse aus den Interviews zeigen, dass alle drei Ebenen von Bedeutung sind und dass Interventionen auf Ebene einzelner landwirtschaftlicher Praktiken, deren Interaktion sowie Einbettung in unterschiedliche Hofmodelle besonders wirksam sind. Zusätzliche Workshops mit ausgewählten Stakeholdern geben Einblick darin, welche bestehenden Maßnahmen die identifizierten Faktoren zurzeit stabilisierend und destabilisierend beeinflussen und welche es künftig bräuchte, um bestehende Streuobstwiesen zu erhalten.
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