Blühinseln für Bestäuber: Naturschutz und Citizen Science in Wien
Abstract
Urbanisierung ist einer der Hauptfaktoren für den Verlust und die Fragmentierung von Lebensräumen und stellt eine erhebliche Herausforderung für Bestäuber und die von ihnen unterstützten ökologischen Prozesse dar. Gleichzeitig können Städte wichtige Rückzugsräume für bestäubende Insekten, insbesondere Wildbienen, bieten. Während größere städtische Grünflächen als Ressourcen für urbane Bestäuber zunehmend anerkannt sind, bleibt die Bedeutung kleiner, gezielt angelegter Blühflächen für die Bereitstellung von Nahrung und Lebensraum sowie die Vernetzung urbaner Lebensräume weniger gut untersucht.
Der „Wiener Biodiversitätskorridor“ etabliert seit mehreren Jahren naturnahe Blühinseln als kleinräumige Lebensräume und Trittsteine für Bestäuber in Wien. In direkter Zusammenarbeit mit dem Projekt „BiodiverCITY-Island Hopping“ wurden 2025 zehn weitere Blühinseln auf freien Baumscheiben in dicht bebautem Stadtgebiet angelegt und von Beginn an wissenschaftlich begleitet. Auf den Flächen wurden rund 30 überwiegend heimische, bestäuberfreundliche und hitzetolerante Pflanzenarten etabliert. Während der dreijährigen Projektlaufzeit werden die Flächen regelmäßig hinsichtlich ihrer Nutzung durch Blütenbesucher und Entwicklung des Blütenangebots untersucht. Ein besonderer Fokus liegt auf der Frage, welche Rolle die Blühinseln als Nahrungs- und Lebensraum sowie als Trittsteine für die Vernetzung urbaner Lebensräume spielen.
Erste Beobachtungen zeigen, dass die Blühinseln von zahlreichen heimischen Bestäuberarten besucht werden, wobei Wildbienen einen wesentlichen Anteil ausmachen. Unsere Untersuchungen zeigen, dass die Blühinseln von verschiedenen Insektengruppen als Nahrungsressource im dicht bebauten Stadtgebiet genutzt werden und damit eine wichtige Funktion für die Lebensraumvernetzung darstellen. Weitere Auswertungen werden zeigen, wie sich Artenzusammensetzung, Blütenangebot und Nutzung der Blühinseln über die Projektlaufzeit entwickeln.
Ein zentraler Bestandteil von „BiodiverCITY-Island Hopping“ ist zudem die Zusammenarbeit mit fünf Wiener Schulen: Schüler:innen legen auf ihrem Schulgelände bzw. in Schulnähe eigene naturnahe Blühinseln an und untersuchen gemeinsam mit Biolog:innen deren Entwicklung und Nutzung durch Bestäuber. Der Citizen-Science-Ansatz verbindet damit die wissenschaftliche Untersuchung urbaner Biodiversität mit praktischen Naturschutzmaßnahmen und handlungsorientierter Umweltbildung.
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