Wer summt wo? Stechmückenmonitoring in Wien
(2) Institut für Parasitologie, Veterinärmedizinische Universität Wien, Veterinärplatz 1, 1210 Wien, Österreich
(3) WasserCluster Lunz, Dr. Carl Kupelwieser Promenade 5, 3293 Lunz am See, Österreich
(4) Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement, Universität für Bodenkultur Wien, Gregor-Mendel-Straße 33, 1180 Wien, Österreich
Abstract
Die zunehmende Globalisierung und fortschreitende Klimaveränderungen tragen dazu bei, dass Stechmücken auch in gemäßigten Breiten als Vektoren von Krankheitserreger an Bedeutung gewinnen. Dennoch sind ihre Habitatpräferenzen und ihre räumliche Verteilung vor allem während der aquatischen Entwicklungsstadien bislang nur unzureichend untersucht. Aktuelle Ausbrücke stechmückenübertragener Krankheiten in Europa unterstreichen die Notwendigkeit eines umfassenden Monitorings, insbesondere in urbanen Ballungsräumen. Von den rund 55 in Österreich vorkommenden Stechmückenarten wurden bislang 25 in Wien und Umgebung nachgewiesen, darunter drei nicht-heimische Arten.
Im Rahmen der City Invaders Studie untersuchen wir die räumliche und saisonale Verbreitung der Stechmücken sowie deren Habitatpräferenzen in Wien, mit besonderem Fokus auf deren aquatischen Entwicklungsstadien. Über einen Zeitraum von zwei Jahren wurden an 30 Standorten in drei Temperaturzonen Eier, Larven, Puppen und adulte Stechmücken systematisch erfasst. Adulte Tiere wurden mithilfe von BG-Pro-Fallen (Biogents, Regensburg) unter Verwendung von Hefe als Kohlendioxidquelle gefangen, während Eier mittels Ovitraps gesammelt wurden. Anschließend erfolgte eine DNA-basierte Artbestimmung mittels Multiplex-PCR. Zusätzlich wurden monatlich bis zu sechs Bruthabitate pro Standort beprobt, wobei auch Umwelt-DNA (eDNA) zur Erfassung der invasiven Arten eingesetzt wurde.
Die vorläufigen Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede in der erfassten Artenzusammensetzung zwischen adulten Stechmücken, Larven und Eiern. Sie verdeutlichen, dass keine der eingesetzten Methoden allein die urbane Stechmückenvielfalt vollständig abbildet. Darüber hinaus konnten bevorzugte Habitate invasiver Arten sowie charakteristische abiotische und biotische Habitatbedingungen identifiziert werden. Vor dem Hintergrund sicher verändernder klimatischen Bedingungen und der damit einhergehenden Austrocknung aquatischer Habitate beobachteten wir eine relative Zunahme von Arten, die künstliche Wasseransammlungen als Brutstätten nutzen können.
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung eines integrativen Monitorings, das unterschiedliche Entwicklungsstadien, Habitattypen und Nachweismethoden berücksichtigt. Die Studie liefert somit auch eine wichtige Grundlage für die Entwicklung gezielter Überwachungsstrategien und ein nachhaltiges Risikomanagement. Das City Invaders Projekt wird finanziert durch den Wiene Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) und das Land Niederösterreich [Grant ID: 10.47379/ESR24005].
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