Weingärten als Ersatz-Habitate für seltene und gefährdete Ackerwildkräuter

Abstract ID: 3.88
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Rasran, L. (1)
Struger, F. (1); and Szemes, D. G. (1, 2)
(1) BOKU, Botany
(2) Landschaftserhaltungsverband Enzkreis e.V.
How to cite: Rasran, L.; Struger, F.; and Szemes, D. G.: Weingärten als Ersatz-Habitate für seltene und gefährdete Ackerwildkräuter, #TDB27-3.88
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Keywords: Artenschutz, Erhaltungskultur, Monitoring, Saatguttransfer
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Abstract
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Diverse Arten der Segetalflora sind z.Z. akut gefährdet oder vom Aussterben bedroht, da ihre früheren Habitate – magere Äcker ohne Herbizideinsatz – nahezu verschwunden sind. Für viele dieser ausschließlich annuellen Arten fehlen auch natürliche Primärhabitate (Pionierstandorte mit hohem Störungsniveau) bzw. sind gänzlich unbekannt. Regelmäßig kultivierte, trockene und wenig gedüngte Weinreihen könnten hierbei als Ersatzstandorte fungieren. Die wenigen in der Landschaft verbliebenen Populationen dieser Arten schaffen es in der Regel aber nicht aus eigener Kraft, diese Standorte zu erreichen (Ausbreitungslimitation).

Im Rahmen des Biodiversitätsprojekts PAVOG (Gefährdete Pflanzenarten Österreichs – Vermehrung und Wiederansiedelung durch Botanische Gärten) wurde im Botanischen Garten der BOKU Wien eine Wildkraut-Erhaltungskultur auf- und ausgebaut und einige seltene Ackerwildkräuter nachvermehrt. Im Spätherbst 2024 und 2025 erfolgte dann die Aussaat dieser Arten auf Empfängerflächen in ökologisch geführten Weingärten in Niederösterreich und im nördlichen Burgenland. Ein detailliertes Monitoring-Programm im Sommer 2026 dokumentierte die Entwicklung der Vegetation und bewertete den Erfolg der Maßnahme. Erste Ergebnisse zeigen eine flächige Etablierung von einigen großfrüchtigen Arten wie Agrostemma githago (Kornrade), Orlaya grandiflora (Strahlen-Breitsame) und Scandix pecten-veneris (Venuskamm). Andere der übertragenen Arten kamen nur sporadisch oder mit geringer Individuenzahl vor, wobei das Verweilen von einem Anteil der lebensfähigen Samen im Boden nicht auszuschließen ist. Offen bleibt die Fähigkeit der Arten dauerhaft vitale Populationen (inkl. Samenbank) zu bilden und sich den regulären Kultivierungsmaßnahmen der Weingärtner anzupassen. Studien und Maßnahmen zur Etablierung weiterer Arten sollen daher fortgesetzt werden.

Gerhard Deutel (Weingut Heinrich); Martin Mehofer (HBLA Klosterneuburg); Rudolf Schmid (Landwirt in Traiskirchen)

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