Populationsdynamik hochalpiner Heuschreckengemeinschaften über 35 Jahre unter dem Einfluss von Klima und Beweidung

Abstract ID: 3.60
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Zuna-Kratky, T. (1)
Illich, I. (1)
(1) Ingenieurbüro für Landschaftsplanung und Landschaftspflege, Lange Gasse 58/20, A-1080 Wien
How to cite: Zuna-Kratky, T.; Illich, I.: Populationsdynamik hochalpiner Heuschreckengemeinschaften über 35 Jahre unter dem Einfluss von Klima und Beweidung, #TDB27-3.60
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Keywords: Populationsdynamik, Alpiner Lebensraum, Beweidung, Orthoptera
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Abstract
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Langzeitstudien über die Populationsdynamik von Heuschrecken (Orthoptera) sind allgemein selten und fehlen für alpine Regionen Mitteleuropas zur Gänze. Die Effekte von Klimaerwärmung und Landnutzungswandel sind hier aber besonders ausgeprägt. Unsere Studie ermöglicht die Analyse der Auswirkungen dieser Prozesse auf eine alpine Heuschreckenpopulation über einen Zeitraum von 35 Jahren.

In den Jahren 1991 bis 2026 wurde die Verteilung und Häufigkeit von Heuschrecken alljährlich mit einer standardisierten Methode im Sonderschutzgebiet Piffkar im Nationalpark Hohe Tauern in Seehöhen von 2070 bis 2440 m erhoben. Während der Untersuchung waren durchgehend fünf Arten anwesend: Bohemanella frigida, Miramella alpina, Omocestus viridulus, Gomphocerus sibiricus und Pseudochorthippus parallelus. Der mittlere Artenreichtum stieg im Laufe der Untersuchungsperiode signifikant an. Die Abundanzen zeigten hingegen teils enorme interannuelle Schwankungen – bei G. sibiricus lag der Maximalwert 40fach über dem Minimum! Alle Arten – mit Ausnahme der boreo-alpinen B. frigida – erweiterten ihr Verbreitungsareal kontinuierlich. Eine signifikante Dichtezunahme wurde aber nur bei O. viridulus nachgewiesen.

Während der Untersuchungsperiode stieg die mittlere Temperatur in der Vegetationsperiode signifikant um 1.9°C an, während die Schneebedeckung im Juni sich bei starken Schwankungen nicht signifikant veränderte. Die engste Korrelation zwischen klimatischen Faktoren und Abundanz fanden wir bei G. sibiricus, dessen Auftreten von der Temperatur im Juni bestimmt wird. B. frigida zeigte hingegen mit steigender Temperatur eine zunehmende Abhängigkeit von kühler Witterung.

Mit einem größeren Datenset von 28 Erhebungsstandorten zwischen 1730 und 2580 m Seehöhe konnte bei einem Vergleich von Erhebungen der Jahre 1990 sowie 2020 ebenfalls eine höhere Arten- bzw. Individuendichte festgestellt werden, was vor allem auf die Ausweitung der Höhenamplitude der hier vorkommenden Arten zurückzuführen ist. Beide Entwicklungen sind in den Höhenlagen über 2100 m stärker ausgeprägt.

Die Aufgabe der Beweidung, die in diesem Sonderschutzgebiet ab Anfang der 1990er Jahre umgesetzt wurde, hatte keinen langfristig negativen Einfluss auf die Artenzusammensetzung und Dichte der Heuschreckengemeinschaft. In den Hochlagen über der Baumgrenze unter harten Umweltbedingungen scheint der natürliche Weidedruck für den Erhalt der Vegetationsstruktur ausreichend zu sein.

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