Anlage und Pflege von Blühstreifen im Weinbau zur Förderung der Artenvielfalt
Abstract
Die HBLFA Raumberg-Gumpenstein liefert im EU-Projekt „Life VineAdapt“ (2021–2025) in Kooperation mit dem Landesweingut Silberberg und Partnerwinzern Ergebnisse zur aktiven Biodiversitätsförderung im Weinbau. Ziel ist es, artenarme Fahrgassen in artenreiche Blühstreifen („Biodiversitätsweingärten“) umzuwandeln.
Ein zentrales Ergebnis für den ökologischen Erfolg ist das entwickelte Einsaatkonzept. Um die sensiblen Wildkräuter vor der Belastung durch Überfahrten zu schützen, etablierte Raumberg-Gumpenstein ein räumlich getrenntes System: Während in den Fahrspuren Rasengräser ausgesät wurden, wurde im Mittelstreifen eine artenreiche Kräuter-Leguminosen-Mischung verwendet. Diese besteht aus regionalem Wildpflanzensaatgut mit dem „Gumpensteiner Herkunftszertifikat“ (G-Zert), welches die genetische Vielfalt wildlebender Arten innerhalb ihrer Verbreitungsgebiete erhält.
Die mehrjährigen Ergebnisse der Versuchsstandorte Trebian und Kogelberg belegen eine erfolgreiche Etablierung. Nach einem Peak der Artenzahl im ersten Standjahr 2022 durch beigemischte einjährige Feldblumen stabilisierte sich die ausdauernde Zielvegetation.
Das wissenschaftliche Monitoring stuft die Etablierbarkeit der Mischungspartner detailliert ein: Als leicht etablierbar gelten unter anderem die Magerwiesen-Margerite, die Schafgarbe und der Wiesensalbei. Mittlere Erfolge zeigen die Gewöhnliche Esparsette und die Wilde Möhre, während Dost, Johanniskraut und Wundklee als schwer etablierbar gelten. Fast alle eingesäten Arten besitzen laut Erhebungen eine Bedeutung als Nahrung für Wildbienen, Honigbienen und Schwebfliegen.
Für den Erhalt dieser Diversität ist ein angepasstes Mulchmanagement essenziell: Erst ab Mitte Juli darf die Fahrgasse vollflächig gemulcht werden. Durch das Stehenlassen des Mittelstreifens im Frühjahr wird das Abblühen und die Samenabreife gesichert, was die Blühstreifen über Jahre stabil hält.
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